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Bewerbungstipps für Stotternde – Stottern beim Bewerben erwähnen oder nicht?

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Viele Stotternde fragen sich oder mich immer wieder: Wie und wann lasse ich diese Bombe platzen, wenn ich mich bewerbe?

Im Anschreiben bereits erwähnen, dass ich stottere? Wenn ja, dann wie?

Oder lieber gar nichts sagen, und dann wenigstens die größere Chance auf ein Vorstellungsgespräch wahren? Aber dann fühle ich mich noch unwohler, wie mache ich denen dann schnell klar, mit wem oder was sie es zu tun haben?

Im folgenden Artikel bringe ich dir zwei Optionen näher, die du hast, wenn du den Job wirklich willst. Meiner Erfahrung als Kommunikationstrainer nach sind dies die beiden Wege zu dieser Thematik, die du als stotternde Bewerber bzw. stotternder Bewerber gehen kannst, um ein Bewerbungsgespräch bzw. eine Jobzusage tatsächlich zu ergattern.  

Option 1: So tun, als gäbe es das Stottern gar nicht

Diese Möglichkeit steht dir dann offen, wenn deine Stottersymptomatik nicht so stark ausgeprägt ist, als dass du kaum einen Satz artikuliert bekommst. Falls du das Stottern eher moderater Natur ist, sodass du dich durchaus mit etwas mehr Zeit ausdrücken kannst bzw. das sagen kannst, was du willst, nur eben nicht ganz flüssig, dann kannst du das Thema Stottern ruhig völlig außen vor lassen. Warum denn erwähnen, wenn es die Ausführung deines Jobs nicht eklatant beeinträchtigen würde?

Ein chinesischer Mitbewerber würde seinen starken Akzent doch wahrscheinlich auch nicht erwähnen. Hey, don‘t state the obvious! Oder auf deutsch: Erzähl uns nicht das, was eh bereits offensichtlich ist! Dass er nämlich einen Akzent in seinem Sprechen hat, werden die Personaler im persönlichen Gespräch unvermeidlich hören, genauso wie deinen „Akzent“!

Je weniger es für Dich ein Problem ist, und weniger Du aus dieser zugegeben nervigen Mücke einen problematisch großen Elefanten machst, desto weniger juckt es womöglich auch deine Gesprächspartner! In dem Falle um den Job-Interviewer. Es geht schließlich um ganz andere Kompetenzen im Jobpofil, besonders wenn du keine äußerst kommunikative Stelle antreten willst, wie etwa im Call Center oder als Moderator.

Vielleicht tust du dich schwer mit diesem Gedanken, sich einfach „normal“ zu verhalten, obwohl „normal“ für dich etwas ganz anderes ist. Das Selbstvertrauen , der eigene Selbstwert, das Selbstverständnis beim Herangehen an solche beruflichen Situationen – all das ist wahrscheinlich bei dir nicht stark genug vorhanden.

Ich kenne das gut. Es war bei mir nicht anders. Man will sich einen Schutz bauen, einen sicheren Rahmen schaffen, der peinliche oder unangenehme Situationen möglichst vermeidet. Für sich und andere. Und das tut man, indem man so früh wie möglich ankündigt, dass man stottere. Habe Mut, deine Schutzmauer einzureißen und ein bisschen Daredevil zu spielen!

Falls du dir diese erste Variante nicht zutraust oder deine Sprechblockaden zu vehement sind, ist das total ok! Glücklicherweise gibt es ja noch meine Option Nummer Zwei:

Option 2: Stottern nicht erwähnen, aber gut verkaufen!

Auch in meinem zweiten Tipp rate ich dir nicht, dein Stottern zu erwähnen. Stattdessen rate ich dir, dein vermeintliches Handicap als Nutzen für die Firma zu verkaufen. Klingt utopisch? Befremdlich? Irrwitzig? Dann denke lieber noch ein paar Mal öfter darüber nach!

Der einzige Grund, warum ein Unternehmen eine Person einstellen möchte, ist: es erhofft sich einen Mehrwert und ist bereit, dafür monatlich eine gute Summe Geld zu überweisen. Bisher denken die Zuständigen in der Firma zwar nur an die Kompetenzen, Tätigkeiten und Ziele, die im Jobprofil beschrieben sind. Dein Job ist es, nachvollziehbar und erfrischend anders (als die anderen Bewerber) zu argumentieren, warum ausgerechnet Du diesen Anforderungen gerecht werden kannst, sondern warum Du generell ein Mehrwert für das Unternehmen und Arbeitsteam bist!

Frage dich: Was ist der Vorteil, den dein potentieller Arbeitgeber mit dir auch AUFGRUND deines Stotterns hat?

Deine guten Zuhörerfähigkeiten?

Dein starkes schriftliches Ausdrucksvermögen?

Deine Empathie und dein Einfühlungsvermögen in die Probleme der Leute, Kunden, Fälle?

Deine kreativen Kompetenzen, weil du dein Stottern sehr oft durch andere Wege und Wörter relativieren musstest?

Dein Mut und deine Durchsetzungskraft? Denn wer sich auf so eine Stelle bewirbt und stottert, hat definitiv eine selbstbewusste, entschlossene und mutige Persönlichkeit, die jedem Unternehmen weiterhelfen kann! Zu was befähigt dich deine Stotter-Vergangenheit sonst noch?

Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten, das Stottern nicht als Nachteil zu sehen, sondern als durchaus hilfreich zu werten und es auch so zu verkaufen.

Arbeitgeber wollen dich nicht, weil du einen schönen Namen hast oder von Irgendwem Irgendetwas brauchen. Sie wollen jemanden, der ihnen für ihre Firma und für dieses bestimmte Aufgabengebiet einen MEHRwert bringt. Schaffst du es, ihnen diesen Mehrwert klar zu machen, den nur DU mitbringst? Und zwar sowohl für die Gewinnmaximierung der Firma als auch fürs menschliche Umfeld und Arbeitsklima? Wenn ja, dann hast du vielleicht genau wegen deines Stotterns einen Vorteil gegenüber anderen!

Überlege dir bis zu drei starke Argumente in Bezug auf dein Stottern. Mindestens einer, aber nicht mehr wie 3 – du willst das Thema auch nicht zu groß machen! Füge es in einem kurzen Absatz ein und verliere nicht mehr als zwei oder drei Sätze darüber. Falls dir mehr als drei gute Argumente einfallen (und das wird es wenn du lange genug drüber nachdenkst), dann hebe dir die Übrigen fürs persönliche Gespräch auf. Achte jedoch unbedingt darauf, dass es dich bei deinen Argumenten um nachvollziehbare und jobrelevante handelt!

Im Artikel „Geeignete Jobs für Stotternde“ findest du Ideen und Inspiration für neue berufliche Herausforderungen, falls du deinen Werdegang nochmal überdenken möchtest.

Solltest du dir in deinem Berufsleben ein unterstützendes Coaching wünschen, dann zögere nicht, mich zu kontaktieren. Vereinbare gerne einen persönlichen kostenfreien Erst-Termin per Zoom mit mir, wo wir besprechen, wo du stehst, wo du hinwillst, und wie ich dir dabei helfen könnte.

Um dein Stottern zu überwinden, steht dir nach wie vor mein 100-Tage-Videokurs „FLOWtential – Stottern war gestern“ zur Verfügung. Lasse dir einfach die ersten drei Tagesvideos gratis per E-Mail zuschicken.

Für welche Stelle du dich auch immer bewerben möchtest: Tu es! Trau es dir zu! Sei dir der Rede wert!

Denn wenn du es nicht tust, weißt du nie, ob es nicht vielleicht doch anders gekommen wäre, als du geglaubt hast! Erst wenn du wagst, weißt du, ob du vielleicht doch gewinnst. Ein NEIN hast du doch eh schon sicher, aber sei doch mal etwas mutiger und vielleicht auch verrückter, dann ist auch ein JA drin! Das gilt auch für deinen Traumjob, dessen Erreichung dir bisher viel zu unrealistisch erschien. Finde heraus, ob du damit nicht falsch gelegen hast!  

Gruß mit Hut,

dein FLOWmaker Markus 🙂