3 einzigartige spanische Vokabeln, von denen wir was lernen können

Eigentlich ist die Deutsche Sprache bekannt für einen riesigen Wortschatz, der für manche ausländischen Schüler eine Truhe ohne Schlüssel darstellt. Für all erdenkliches scheint es ein eigenes Wort zu geben – was Deutsch zu anderen Sprachen oft unterscheidet.

Von der Schnapsidee über das Fingerspitzengefühl bis hin zum Ohrwurm oder Fernweh.

Dies macht unsere Sprache mit solch großem Wortschatz umfangreicher zu lernen, bietet aber eine wunderbare Vielfalt an Ausdruckweisen. 

Trotz allem begegnete ich auf meinem Lernweg zur Spanischen Sprache bestimmten Wörtern, für welche wir Deutschen schon einen kleinen Satz zum Beschreiben basteln müssen. Manche von ihnen spiegeln indirekt anderweitige Sitten und zeigen damit, warum Sprache und Kultur durch ihre Verwobenheit oft Hand in Hand spazieren. Insbesondere drei dieser Vokabeln hinterließen solch einen Eindruck auf meinem Hirnkästchen, dass ich es fast wieder ausbeulen musste.

  • Escarmentar

Hier handelt es sich um ein Verb; Bewegung und Aktion ausdrückend – und zwar auf geistiger Ebene. Es beschreib den Prozess, aus schlechter Erfahrung heraus etwas Wichtiges gelernt zu haben. Nicht nur erhält dadurch das Schlechte einen positiven Touch, ferner zeugt der Gebrauch dieses Wortes von einer hilfreichen Erkenntnis, die gewonnen wurde. Der Fokus liegt hier auf einem Gewinn der Lehre anstatt auf dem Verlust, der womöglich mit der jeweiligen negativen Erfahrung einherging.

Escarmentar kann folglich nur derjenige benutzen, der weise genug ist, dem Bösen etwas Gutes für die Zukunft abzutrotzen und rühmt sich in der Kunst der (Selbst-)Reflexion. Der vermeintliche Fehler erscheint in neuem Lichte. Und wer weiß schon, für was er gut war….

  • Sobremesa

Dieser Ausdruck ist ein wunderbares Beispiel für die Tatsache, dass mit anderer Kultur auch andere Wörter entstehen. Vor allem in deutschen Großstädten sind wir es gewohnt, nach dem Essen, das uns im Stress der Arbeitswelt oft eh nicht so recht in den Kram passt, gleich wieder aufzustehen und weiter „wichtig“ zu sein.

Oder wir degradieren die Essenszeit zu reiner Trivialität und üben uns im Multitasking, wenn die Augen und Finger auf dem Smartphone-Display kleben, während das Telefon am linken Ohr der rechten Backe zuwinkt, die gerade ein Sandwich kaut.

In Spanien und weiten Teilen Lateinamerikas pflegt der Bürger eine Zeit nach dem letzten Bissen, die er noch am Tisch verbringt. In Gesellschaft wird dann noch ein gemütliches Verdauungsgespräch geführt, ehe man irgendwann seine vier Buchstaben mobil macht und sich zurück in die Pflichten des Alltags wirft. Und sie nennen diese nonchalante Tischzeit nach der Mahlzeit „la sobremesa“. Wörtlich übersetzt bedeutet es: „Übertisch“.

Werfen wir dann einen Blick darauf, wie hoch die Lebenserwartung der Spanier ist, die trotz all ihrem Pan und frittierten Empanadas und Churros offenbar glücklich und gesund ein höheres Alter erreichen als wir supereffizienten Deutschen.

Was können wir daraus lernen?

Der Nahrungsaufnahme mehr Wertschätzung in Form von Zeit und Gemütlichkeit entgegenbringen und noch ein bisschen länger „über dem Tisch“ abhängen.

  • Pura Vida

Ok, ich kann schlecht leugnen, dass es sich hier um zwei Wörter handelt. Da es jedoch zur Übersetzung einen ganzen Absatz braucht, wirkt es eher wie ein halbes. Außerdem gehört dieses „Wort“ beinahe exklusiv einem bestimmten Land: Dem teuersten aber nachhaltigsten in ganz Lateinamerika: Costa Rica. In dieses Leben in Mittelamerika durfte ich vor einigen Jahren selbst eintauchen und stolperte mehrmals über diesen Ausdruck.

Moment mal, kann man beim Tauchen stolpern?

Pura Vida drückt mehr ein Lebensgefühl aus, als etwas Wortwörtliches. Fragt man zehn „Ticos“ (Costa-Ricaner) nach der Bedeutung, erhält man bis zu zehn verschiedene Antworten. Meine Tica-Freundin erklärte es mir beispielsweise so:

Wenn dich jemand fragt, wie es dir geht (was sich auch mit „Pura Vida?“ ausdrücken lässt), kannst du antworten: Pura Vida! Auf ein „Danke“ wird es ebenso gebraucht, um deinem Gegenüber Wertschätzung zu signalisieren. In der Adjektiv-Funktion lässt sich so eine Person mit diesem Begriff positiv beschreiben. Ebenso ist es eine Möglichkeit zu sagen, wie toll man etwas findet.

Pura Vida bietet also eine äußerst vielseitige Einsatzmöglichkeit. Die Übersetzungsvarianten je nach Kontext hier nochmal zusammengefasst:

Hallo / Hi!
Wie geht’s? Alles Gut?
Mir geht’s gut! Alles super!
Wie cool! Klasse!
Bitte, gern geschehen!
Das Leben ist schön!
Ich bin dankbar für mein Hab und Gut!
Ciao! / Auf Wiedersehen!
Bis bald!


Was wir aus „Pura Vida“ lernen können? Eine wahnsinnig positive Grundeinstellung zum Leben! Dieser Begriff prägt tatsächlich dieses Land und vermittelt die gepflegte Leichtigkeit des Lebens über acht Buchstaben, vier Silben und zwei kleinen Wörtern in einem Ausdruck.

Ein Slogan für ein ganzes Land, dessen Wirkung auch bis ins Thema der ökologischen Nachhaltigkeit reicht: Eine fast komplette Stromversorgung durch erneuerbare Energien, welche bis 2021 ganz ohne fossile Brennstoffe auszukommen plant. Wenn das nicht Pura Vida ist!