Cuba To Go – wie man die Karibik nach Hause nimmt

Cuba to go
(wie man die Karibik nach Hause nimmt)

Es dämmerte der letzte volle Tag meiner weiten Reise, und diesen gedachte ich mit meinem engen Freund, dem Meer, zu verbringen. Etwa vierzig Minuten Fußweg trennten mich von der Haltestelle für die Fahrt zu den Playas Del Este. Es ist ein gutes Gefühl mit Vorfreude auf den Tag aufzuwachen, zu frühstücken und sich gen Altstadt auf den Weg zu machen, die vom Bus angefahren wird. 

Doch als die besagte Stelle in mein Sichtfeld rückte, zog sich mein breit grinsendes Gesicht schlagartig in die Länge. Es sollte mich etwas erwarten, das nichts für arachnophobe Menschen ist: Eine riesige Schlange! Ich konnte sie förmlich zischen hören, lispelnd mir zuflüsternd: „In den nächsten Bus wirst du es nicht schaffen! Weitere vierzig Minuten sollst du dich in schattenloser Geduld üben unter der stechenden Sonne!“


Da ich eh nicht vorhatte, das Paradies mit lauten Badegästen aus allen Herren Länder zu teilen, verdoppelte ich mein Budget und stieg in einen saphirblauen 1953er Chevrolet. Der nette Taxifahrer war das herrliche Pendant zu Charon, dem Fährmann der Unterwelt, denn er beförderte mich zu einem naturbelassenen Stück Himmel auf Erden. Dort schrieb ich und ließ meinen Gedanken freien Lauf:


Dieser Strand ist ein Gedicht; alles auf und um ihn herum reimt sich. Die Palmen, das Meer, der Sand, alles schwingt in einer euphonischen Assonanz. Maßvolle Wellen tragen ihren Schaum bis knapp vor meine Füße bevor das Blau sie wieder zu sich holt. Dies ist der Rhythmus der Idylle; die passende Musik, die das einfache Sein begleitet. Mehr brauche ich in jenem Moment nicht.


Ich sitze auf einem aus weiß-goldenem Sand geformten Podium und lasse meine Gedanken diese Rede halten, während ich beobachtend um mich blicke. Alleine aber bei weitem nicht einsam. Ich hoffe das Leben schreibt noch viele solcher Verse, solch harmonische Strophen, denn dies ist der Ort vollendeter Geborgenheit. Die Wärme, die mich entspannt; die Brise Wind mit dem angenehmen Duft des Salzes.


Ich fühle mich genauso frei wie die Pelikane, die knapp über der Wasseroberfläche segeln. Freiheit. Eine schwierige Begrifflichkeit, denn sie beschränkt sich doch nur auf gewisse Aspekte des Lebens, nie auf das Ganze. Ich war bereits frei in meiner Zeit auf Kosten des Geldes und andersherum. Frei gegenüber Frauen und der Versuchung aufgrund meiner Ledigkeit, jedoch auf Kosten der Liebe, die ich vollwertig zu geben bereit war. Frei für alle Möglichkeiten, die diese Welt bereit hält und doch limitiert durch mein eigenes Phlegma. Wann bin ich also wirklich frei? Das Leben scheint stets an Bedingungen geknüpft als ein Kompromiss zwischen der Geburt und dem Tod. Einzig die Freiheit des Wählens, der Entscheidung, liegt ganz bei mir. Und so sitze ich hier und fühle mich genauso frei oder nicht frei wie diese Pelikane, die zwischen Wasser und Luft entscheiden können, sowie der Richtung, in die sie schwimmen oder fliegen.


Die Röte meiner Haut sagt mir nun, es ist Zeit aufzubrechen. Ja, alles hat seine Zeit, jeder Moment seine Endlichkeit und so lese ich des Lebens‘ Zeichen und folge. Ein Paradies ist es nämlich nur, weil ich anderes gewohnt bin und es würde an Wert verlieren je länger ich bliebe. Der Strand ist nur mein Paradies, weil ich vom Beton komme, vom Erfolgsdruck gepeitschten Handeln, der meinen Alltag teert. Doch werde ich noch viele Male hierher zurückkehren, wenn auch nicht physisch. Wann immer ich mich nach einer Auszeit sehne vom Trubel der Stadt, dem Staub meines Alltags und den schwarzen Wolken meines Denkens, so komme ich hierhin durch die unbegrenzte Kraft meines Geistes. 


Viele trinken Cuba Libre – ich durfte es atmen. Somit packe ich dieses Fleckchen Glückseligkeit zwischen Palmengrün und Meeresblau in mein Herz und nehme es mit nach Deutschland – oder immer es mich ziehen mag.


Ich genieße die letzten Schritte auf warmen Sand, der feinkörnig durch meine Zehen rinnt, und nähere mich der angrenzenden Wiese. Die Wiese führt zur Straße, dich mich wieder in die Stadt bringen wird, in der hoher Stein und Beton meine Sicht begrenzt. Der Tumult des Lebens hat mich wieder, doch kenne ich nun meinen Zufluchtsort für die Ruhe und Gelassenheit, deren Magie ich so oft wie möglich zu spüren ersuche.