Der Mensch und sein Name

Baby-Alarm! Nun also auch mein anderer brother from another mother! Unfassbar!
Auch wenn bisher keiner von uns im Familienstammbuch des anderen aufgetaucht ist, so habe ich trotzdem das Gefühl zum zweiten Mal eine Art Onkel zu werden. Nur möchte ich hier jetzt keine Lobeshymne auf meine brüderlich-guten Freundschaften schreiben, viel mehr beschäftigt mich eine ganz andere Frage im Dasein als passionierter Texter, als Gefangener im Bann einer magischen Wörterwelt. Der bin ich nun mal. Meine Oma hat ihr Blumenbeet, ich das Alphabet – jedem das seine.
Doch zurück zur Frage, die lautet:

Welchen Namen wird das Baby erhalten? Wie soll der Bube oder das Mädlein heißen?

Mein Geist beginnt automatisch den Sektor meines Gehirns zu durchforsten, wo die schönen, etwas außergewöhnlichen Rufnamen archiviert wurden. Auf manchen erkennt er bereits ein wenig Patina, doch das muss nichts heißen! Dabei werden eh schon in der Kreativ-Abteilung neue Namen entworfen, so mangelt es nicht an Quellen aus denen zu schöpfen ist. Eher entsteht eine Qual der Wahl (als wäre es meine Entscheidung…). Vielleicht habe ich Glück und es werden Zwillinge verschiedenen Geschlechts.

Nachdem ich das erste mal ein kleiner Onkel wurde und von meinem Erstbesuch zurückkam, fragten mich die Damen aus meiner Familie sofort lauter Trivialitäten wie:
„Und wie ist sie? Wie sieht sie aus?“
Na wie Babys halt aussehen – klein. Und wie Babys halt eben sonst so sind – süß. Wortkarg. Manchmal lacht es, manchmal weint es.

Auch wenn ich sie schon deutlich süßer fand als das Neugeborene von Herrn Hinz und Frau Kunz. Wahrscheinlich liegt dies auch an der Subjektivität; einem anderen, engeren Bezug. Aber alles weitere würde ich wohl erst kennenlernen und verstehen wenn ich einmal selbst in den Club der Väter eintreten sollte. Schlaflos glücklich, wann ist man das sonst schon? Ach so, stimmt, nach der Handlung, die aller Babys zugrunde liegt, kennt man das auch.

Aber zurück zum Thema und einer weiteren Frage:
Wie verknüpft ist unser Vor- und Nachname mit unserem Schicksal?

Eigentlich gar nicht als Kinder einer göttlichen Ursubstanz, die uns die Fähigkeit der Selbstbestimmtheit geschenkt hat. Und trotzdem, werfen wir mal einen Blick ins Telefonbuch…
Ein Thomas Meier fühlt sich vielleicht weniger besonders als ein Taro Levy. Ein Konstantin König vielleicht etwas selbstbewusster als ein Hein Blöd oder eine Elidia Notdurft.
Unsere Selbstbestimmtheit endet leider in Sachen DNA, Anatomie und bei unserem Namen (oder besser gesagt: fängt dort erst gar nicht an).
Unser Nachname ist wie ein Gen – einfach weitervererbt. Und den Vornamen bestimmen unsere Eltern, noch bevor wir ein Wörtchen mitreden könnten.
Wie viele unter uns gibt es, die aufgrund ihres Namens gehänselt werden oder wurden? Manche mag das motiviert haben gerade deshalb etwas im Leben zu erreichen – bei anderen hatte es eher den Schneckenhaus-Effekt.
Wie viele kamen über alphabetisch geordnete Namenslisten immer zuerst (oder überhaupt) an die Reihe, während andere sich wegen ihres Zunamens in Geduld üben mussten oder sogar völlig unberücksichtigt blieben? Ob das nun immer gut oder schlecht war/ist, sei mal dahin gestellt. Jedoch kann nun wirklich niemand behaupten, unser Name habe keinen Einfluss auf unser Leben. Und ich finde, das sollten sich alle angehenden Eltern ins Gewissen rufen, bevor sie ihre persönliche Affinität zu griechischer Mythologie oder Star Wars auf ihr Neugeborenes übertragen möchten. Stimmt’s Darth Huber?

Sicherlich lässt sich wunderbar diskutieren und streiten über die richtigen Vornamen. Welcher schön klingt oder nicht bleibt schließlich im weitesten Sinne eine Frage des Geschmacks. Beklagen kann ich mich sowieso nicht, und beim erneuten Blick ins Telefonbuch werde ich sogar richtig dankbar. Auch wenn meine drei Geschwister (die mit mindestens einem gleichen Elternteil) und ich selbst wahrlich keine Ausnahme-Namen (also Ausnamen) darstellen, ist es jedoch zumindest sehr schön, unabkürzbar zu sein! Das schließt meinen Bruder Maxi mit ein, der heißt ja erst mit Zweitnamen Milian ;).

Was habe ich schon groß davon, mein Kind Benjamin zu nennen (so schön er auch sein mag), wenn ihn sowieso jeder nur Ben oder Benni nennt? Vermutlich auch ich selbst irgendwann. Dann hätte ich ihn ja auch gleich so taufen können. Nur hätte man dann natürlich keine Droh-Variante mehr, wenn der kleine Benni mal etwas angestellt hat! Groben Unfug vielleicht sogar… BENJAMIN!!

Was ich persönlich noch wichtig finde, sich in Gedanken zu rufen, ist: Passt der Vorname auch zum Nachnamen? Vor allem klanglich!? Mein selbst erkanntes und benanntes Motto als Texter lautet:

Jedes Wort ist Musik,
jeder Satz hat Rhythmik und Melodie
und jede Geschichte ist ein Lied.

Somit gilt das alles auch ganz besonders für Namen. Im Rap-Jargon rede ich hier vom Flow.

Doch was wir haben, haben wir nun mal. Ist man damit sterbensunglücklich so hat man eigentlich nur zwei Optionen (die makabere Option des Sterbens lassen wir jetzt mal aus)…
Entweder man heiratet klug und kann so wenigstens den Nachnamen ändern, wobei die Partnerwahl nach dem Kriterium schöner Nachname nicht sehr für Romantik und wahre Liebe spricht, oder man konvertiert zum Islam. Ist man schon Moslem, kann man sich vielleicht beim Buddhismus namentlich neu bedienen, aber das übersteigt mein Detailwissen für den Moment.

Ansonsten können wir wohl eher nicht am Stammbaum unserer Namen rütteln. Dieser übersteht nämlich die härtesten Winter und schärfsten Äxte.
WAS wir allerdings tun können ist unserem Namen neue Bedeutung geben. Das könnte in Form eines Titels geschehen, auch wenn Dr. Hans Quäling, Prof. Rudolf Schlaumeier oder RA Sarkis Mafiosian es auch nicht unbedingt besser machen. Aber unter den anderen Millionen Manfred Mustermännern und Stefanie Standards wäre das vielleicht sogar ein Alleinstellungsmerkmal. Auch wenn das Gott sei Dank die meisten mit ihren Namen nicht so dramatisch sehen wie etwa…ähm.. ich!?
Da wäre ein Kosename oder Beiname unter Umständen schon sinnvoller. Einen, der gar nicht mal kund getan werden muss. Fragen wir uns doch einmal:
Für was steht mein Name? Wer will ich sein? Was damit verbinden?

Vielleicht hast du eine harte Zeit zum durchschreiten und du beschließt, du bist Marion die Tapfere und Hoffnungsvolle. Oder Martin der Kämpfer.
Vielleicht willst du dich wohlhabender fühlen um es auch leichter zu erreichen, und du wirst zu Johannes der Reiche oder Paul der Millionär?
Julia die Bestsell-Authorin (in Spe)? Sabine die Mode-Designerin? Peter der Champion? Fake it til you make it!

Namen. Namen für unsere Namen. Doch wir können nicht nur diese mit neuer Bedeutung auffrischen, wir können auch unserem Leben einen Namen geben. Wofür soll unser Leben stehen?
Vergessen wir die Vergangenheit und richten unser Herz auf diesen Moment und in die Zukunft. Wofür wollen wir unser Leben leben?
Ich beschloss das meinige Schöpfung zu nennen. Es beschreibt sowohl mein Grundbedürfnis der Kreativität mit all der Liebe etwas zu erschaffen aus Ideen, Wörtern und Melodien. Es steht aber auch für mein Dasein als Schöpfer meiner eigenen Realität. Und wenn ich so heiße werde ich mir auch hoffentlich immer bewusst sein, wie viel Macht ich als denkende Energie in mir habe.

Wie heißt dein Leben?
Die Freiheit, die Güte? Der Glaube, der Sanftmut? Die Freude, das Glück?

Wir sind nicht einfach plump unsere Namen. Wir sind, was wir daraus machen. Wir sind, was wir aus unserem Leben formen, das einzigartig und unverwechselbar ist, egal wie viele Namensvetter dort draußen herumtollen. Holen wir uns die Selbstbestimmtheit der Namensgebung wieder zu uns und vergeben einen Namen für unser Leben. Für unseren Kern. Für all das, was uns ausmacht und nach welchem Glaubenssatz wir fortbestehen mögen.
Ich heiße Markus der Glückspilz. Ich bin die Schöpfung. Wer bist du?