Der Theatertrick gegen zu viel Theater

Der Theatertrick gegen zu viel Theater (Oder: immun gegen Blödmänner und doofe Ziegen)

Die folgende Anekdote zeigt, wie wir unpassende Verhaltensweisen anderer und sogar ganze (Un)Menschen weniger persönlich nehmen können. Und vor allem unsere gute Laune bewahren. Oder zügig wiederherstellen!

 

Ob im Büro, auf der Straße, im Flugzeug oder beim Einkaufen – überall lauern seltsame Erscheinungen die zeigen, dass sich nun doch nicht jeder so benimmt wie wir es uns wünschen würden. In ein paar Zeilen kennst du einen Trick, um dich dagegen zu wappnen.

An einem frühen Samstag Abend traf sich ein kleiner Kreis meiner Freunde (inklusive mir) in einer Sporthalle um ein Basketballspiel eines guten Freundes zu verfolgen. Das Spielfeld war umringt mit den traditionellen Langbänken aus Holz, die man aus früherer Schulzeit noch kennen mag.

 

Als ein weiterer Kumpel hinzustieß und es langsam eng wurde auf unserem Bankabschnitt, fragten wir den Herrn neben mir äußerst höflich, ob er ein wenig nach links rutschen könne. Dessen nächster Nachbar saß meterweit entfernt, und trotzdem weigerte er sich. Zuerst hielten wir dies für einen Scherz, jedoch meinte es der Mitte fünfzig geschätzte Herr tatsächlich ernst mit seiner Begründung, er habe sich hier nun schon länger gut eingesessen.

 

Sein Platz war wie jede andere Stelle der Langbank auch, und er hätte sogar seinen Blickwinkel verbessert, wäre er Richtung Mittellinie gerückt. Doch der Mann blieb stur. Selbst als sich mein Kumpel vorerst auf die freie Seite eng neben ihn setzte und mit uns eine Unterhaltung direkt vor seinem Gesicht begann, schien ihm die Lächerlichkeit seines Verhaltens weiterhin nicht klar zu werden. Natürlich reifte in mir Unverständnis und Ärger, ja fast eine kleine Wut über solch völlig sinnloses und asoziales Verhalten.

 

Dann aber erinnerte ich mich an etwas, das ich einst in einem Buch von Dale Carnegie gelesen hatte. So stellte ich mir vor, alles wäre ein Theaterstück und die Beteiligten dieser Szene seien Schauspieler, die ihre zugewiesene Rolle möglichst real zu interpretieren hätten. Und in fast jedem Script gibt es schließlich Bösewichte und Unsympathen.

 

Plötzlich begriff ich, welch fabelhaftes Schauspiel-Talent dieser Mann – Verzeihung – Künstler doch ist! Solch eine absurde Rolle muss man erst einmal so glaubhaft dem Publikum und seinen Nebenakteuren vermitteln! Mein Ärger schwand und ließ Raum für Amüsement. Ja, es amüsierte mich und ich dachte bei mir, wie viel langweiliger es doch ohne ihn hier wäre.

Dieser Theatertrick lässt sich unglaublich gut auf all erdenklichen Situationen im Alltag anwenden, in denen markante Gemüter uns um die innere Ausgeglichenheit bringen wollen. So brachte ich in der selben Woche sowohl eine spaßige Faszination dem cholerischen Autofahrer hinter mir entgegen, als auch dem Affenzirkus im Büro mit seinen üblichen Schurken und Bösewichten.

 

Böse, war ich ihnen allerdings kaum mehr. Die Kunst dieser Technik besteht wohl darin, sich rechtzeitig an diese zu erinnern bevor man selbst in eine Rolle schlüpft, die man nachher bereut. Erkennt man allerdings, dass man etwas aufgrund einer anderen Persönlichkeit und deren Verhaltensmustern nicht ändern kann, so bleibt manchmal noch der Wechsel der eigenen Perspektive um vom Opfer zum Zuschauer zu werden, der sich nicht mehr persönlich angegriffen fühlt!

 

Vorsicht: In öffentlichen Einrichtungen und Ämtern tummeln sich manchmal überdurchschnittlich viele extraordinäre Schauspiel-Talente!