Die 4 anti-fettnäpfischen Verhaltensregeln im Baskenland

Was du vor deiner Reise ins Baskenland wissen solltest, oder:

Die 4 anti-fettnäpfischen Verhaltensregeln im País Vasco

 

 

 

„País Vasco“.

„Was?“

„Das Baskenland.“

„Achso. Wo… liegt das nochmal…“

 

 

So oder so ähnlich liefen die Dialoge ab, zwischen der Frage Wo warst du letztens im Urlaub? und meinem Reisebericht. Die meisten bei uns zulande assoziieren dieses Stück Land mit dem französischen Teil, der westläufig dann entlang der Atlantikküste, präziser gesagt am Golf von Biskaya, in den, vorsichtig ausgedrückt, spanischen Teil übergeht. Dazu später mehr.

Beginnen will ich mit dem Schlussfazit: Es war eine aufregende, hochinteressante Woche! Ich besuchte eine Freundin meinerseits, die mich durch Land und Leute führte. Somit bekam ich auch hier Einblick in den Alltag von Euskadi. So heißt es nämlich richtigerweise, denn die Basken verfügen schließlich über eine ganz eigene Sprache, aus deren Wörtern und Sätzen nun wirklich nichts abzuleiten ist. Ein Subjekt-Prädikat-Objekt erkennt man unter den vielen X-Wörtern nicht.

 

 

Ich durfte Bekanntschaft machen mit dem äußerst witzhaften, sympathischen Freund meiner guten Bekannten, der schneller redet als Busta Rhymes nach Drücken der Vorspultaste. Es ist eine reife Reifeprüfung meiner Spanischkenntnisse wenn die Wörter wie mit einem Maschinengewehr auf einen geschossen kommen, so dass ich mich bei jedem Satzanfang schon hinunterducken wollte. Er wurde ein weiterer Reisebegleiter und zugleich Tourguide durch die wunderschönen Städte Bilbao, Vitoria und San Sebastián. Vor allem letztere ist berühmt für ihre 5-Sterne Pintxo-Küche – die kreativen, vielfältigen Kreationen auf kleinem Baguette-Stück. Hier kann man sich den ganzen Abend von Bar zu Bar durchdegustieren und hätte gerne mehr als zehn Finger zum abschlecken.

 

Doch trotz all der Begeisterung für das Neue lauern auch viele Gefahren und Fettnäpfchen, in die man schneller hineingerät als mein neuer Tourguide A sagen kann. Folgendes gilt also zu beachten, um kein Verbrecher ungeschriebener Gesetze zu werden:

 

Die 4 anti-fettnäpfischen Verhaltensregeln im Baskenland

 

 

 

Regel 1:

 

Bezeichne niemals einen Basken oder eine Baskin als Spanier/in!

Das País Vasco und die Mehrheit dessen Bürger möchte mit dem Rest Spaniens so wenig zu tun haben wie St. Pauli Fans mit dem HSV. Schon viele Jahre bemüht sich die autonome Gemeinschaft um eine vollkommene Unabhängigkeit und somit eine eigene Daseinsform im politischen Sinne. Den Basken einen Spanier zu nennen oder ihm sonstige Spanischkeit anzudichten kommt für viele einer Beleidung gleich. Und wer möchte schon gerne beleidigt werden? Ausgenommen hier scheint die Sprache Spanisch an sich zu sein, die von jedem muttersprachlich beherrscht wird, obwohl man sich meist untereinander in Euskara unterhält. Dabei wird mir einmal mehr bewusst, wie zerrissen Spanien in Wirklichkeit ist. Immer weniger Regionen Spaniens scheinen mit ihrem Land zu sympathisieren oder dazugehören zu wollen. Seien es die Katalanen oder die Basken. Und die Andalusier verfechten sich als die einzig wahren Spanier, da alle Traditionen und Merkmale, die mit diesem Land verbunden werden, wie der Flamenco, die Paella, der Stierkampf oder die historischen weißen Dörfer, ihren Ursprung in Andalusien haben und dort auch weiterhin kultiviert werden. Zumindest laut der Worte eines belesenen Mannes aus Sevilla, mit welchem ich letztens eine Unterhaltung führte. Man lernt also: Spanien ist leider nicht gleich Spanien. Schade irgendwie!

 

 

Regel 2:

 

Fantasiere niemals Butter zwischen deinem Weißbrot und dem Serrano-Schinken!

 Allein der Gedanke ist für manch Basken bereits eine Perversion. Streichst du sie dann tatsächlich auf dein Pan, wird er die Augen verdrehen und eventuell sogar anderen gegenüber abstreiten er kenne dich. Wenn du großes Pech hast, möchte er gar nichts mehr mit dir zu tun haben. Gehören tut es sich nämlich folgendermaßen: Mann stückle Tomaten ganz klein, lege sie auf die Baguette-Scheibe und träufle etwas Olivenöl darüber. Nun decke man dies mit dem ehrwürdigen Jamón Serrano zu und wünsche Buen Provecho!

 

Noch eine Anekdote zum Weißbrot: Es verging kein Tag, an dem ich nicht mindestens eine Handvoll Leute mit ihren eingetüteten Baguette-Stangen auf der Straße herumlaufen sah. Diese barras de pan sind für den Basken buchstäblich, nämlich aus der Bäckertüre, wie auch im übertragenen Sinne herausragend! In kleinerer, aufgeschnittener Form ist ihr Baguette-Äquivalent zu jeder georderten Speise auf dem Lokal-Tisch vorzufinden und somit eine Obligation, begleitet von Wein und Wasser.

 

 

Regel 3:

 

Lass Alkohol Alkohol sein!

Greifen wir doch Wein und Wasser gleich nochmal auf: Getrennt findet man sie aller meistens zu seinem Gericht, und so sollte man sie auch genießen: Getrennt. Denn beim Zusammenmischen von alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken kennt der Baske keinen Spaß. Das ist für mich als Münchner, im Freistaat des Radlers, Cola-Weizens und Weinschorlen natürlich ein gefährliches Fettnäpfchen. Auch Fruchtschorlen, wie die gute alte Apfelschorle, sucht man hier vergebens. Dafür muss man aber auch anerkennen, dass der gute alte Rioja fast zu gut ist, um ihn zu verdünnen. Aber je dünner der Wein, desto weniger dicht wird man und läuft damit weniger Gefahr in die nächste Falle zu tappen:

 

 

Regel 4:

 

Ein Drink, eine Bar!

Donnerstags ist Pintxo-Pote. Übersetzt heißt das: Du bestellst in einer Bar einen Drink und erhältst einen kleinen Tapa-Happen dazu. Was dein Miniteller dann so drauf hat, bleibt dem Wirt überlassen. Am leckersten schmeckte mir immer noch das Stück Chorizo. Besucht man beispielsweise in Donostia – San Sebastian die Altstadt, reiht sich eine kreative Pintxo-Bar an die nächste, deren lange Bartheken reich sind von den kulinarischen Tapaswunder a lo Vasco. Und im Normalfall bleibt man auch hier in einer Bar nur für eine Getränke- und Tapasrunde, bevor man in die nächste hüpft und den Schmaus wiederholt. Damit man nach der zweiten nicht schon lallend vom Stuhl kippt, sind die Gläser größentechnisch angepasst. Zudem wird alles selbst an der Bar bestellt, bezahlt und zu Tische getragen. Unser Ich hätt gern noch einen, Herr Ober! funktioniert hier folglich nicht. Wer sich nicht ständig Bier oder Wein hinter die Binde kippen möchte, so wie ich, hat eine dritte, alkoholfreie Wahl, die sich lohnt: Der baskische Mosto. Man könnte es schlicht als alkoholfreien Wein bezeichnen, da er ebenfalls aus Trauben gepresst ist mit ähnlicher Konsistenz, und ähnlich lecker, nur anders. Das findet wohl auch die Olive und die Scheibe Zitrone, welche offenbar beide freiwillig ins Glas hineinspringen, sobald der Drink in seiner ganzen Pracht bereitsteht.

 

 

Unter’m Strich:

 

Befolgt man diese Regeln, steht dem Spaß und Genuß im País Vasco nichts mehr entgegen und man kann sich vom tollen Essen, den traumhaften Berglandschaften und der feierlaunigen Gesellschaft in den Straßen und Gassen verzaubern lassen.  Am meisten vermisse ich tatsächlich den Mosto, bin aber auch froh, hierzulande wieder ungestraft meine Butter unter den Schinken zu schmieren!