Die coolste Weltkarte ever! (20+ Arten um „cool“ auf spanisch zu sagen)

Spanisch ist nicht gleich Spanisch, selbst wenn einem alles Spanisch vorkommt. Insgesamt zählen wir zwanzig Länder, in denen das sogenannte Castellano gesprochen wird. Und jedes Land hat seine Eigenheiten, sprachlich wie kulturell.

Genau dieser Aspekt macht es so spannend, die Länder nach und nach zu besuchen und auch zu vergleichen. Selbst innerhalb Spaniens herrschen große Unterschiede mit vielen Regionalen Reichtümern. Allein kulinarisch gesehen winken die Paella im Süden, die Pintxos im nordischen Baskenland (Artikel darüber hier) oder generell die kleinen Tapa-Schälchen neben einem Glas Rioja oder Tinto Verano durchs ganze Land.

Nicht anders verhält es sich in Lateinamerika. Nach meinen bisherigen Reisen ist mir allerdings etwas Interessantes aufgefallen. Es herrschen unterschiedliche, länderspezifische Arten, um „wie cool!“ auszudrücken.

Scheinbar ist aber das europäische Cool („guay„) der einstigen Kolonialmacht nicht mit in den transatlantischen Kolloquialismus übergesiedelt. Vielleicht gab es damals noch gar keinen Ausdruck für Cool. Es war wohl einfach generell keine coole Zeit. Wenn nix cool ist, kann man’s auch schlecht sagen. Das spanisch-spanische Guay taucht trotzdem in Lateinamerika wieder auf – interessanterweise in zwei Ländernamen: Para- & Uru-…

Jede Region ist teilweise auch von den Nachbarländern beeinflusst, was am Beispiel Uruguay gut erkennbar ist, das südlich an Brasilien grenzt. Das uruguayische „Demás!“ ist eine spanische Abänderung, inspiriert durch das brasilianische Dimais, welches „cool“ ausdrückt. Oft gebraucht ist dort der Ausdruck „(que) salado!“, welches ich aber eher mit „(wie) krass!“ übersetze und man ohne Kontext nicht sicher weiß, ob es nun positiv oder negativ bewertet werden kann.

Um herauszufinden, wie „cool“ die Paraguayer sind, schrieb ich Ex-Bayern-Star Roque Santa Cruz auf Instagram. Dieser blieb mir eine Antwort schuldig – gar nicht cool! Zum Glück hat der Herr ja noch über 6 Millionen Landsleute, von denen sich ein paar meiner Sache annahmen und gerne halfen.

In Mittelamerika kristallisierte sich die verblüffende Tatsache heraus, dass sich der gängigste Ausruf zwischen Costa Rica und El Salvador nur um einen letzten Vokal unterscheidet: Chiva wird zu Chivo. Offenbar sind die El Salvadorianer männlicher.

„Que chilero!“ könnte dazu verleiten, es den Chilenen zuzuordnen. Doch weit gefehlt – gehört diese Variante bisweilen exklusiv den Bürgern Guatemalas – tja wie nennen wir diese Guatamalarer überhaupt? Guatemaliser? Guatemaltaner? Erneut weit gefehlt, lieber Markus! Dr. Google sagt: Guatemalteken! Wer zum heiligen Mayagott soll da denn draufkommen?

Im schmalen Landstreifen namens Chile, der sich so geschmeidig an Argentinien und Bolivien kuschelt, benutzt man den Lieblingsausdruck der nördlicheren Peruaner, nur oft in der sonderbaren Schreibweise „BKN“!  

BKN? Möchten Sie einen Vokal kaufen?

Nein, wollen sie nicht. Na gut.

Wenn sie aber würden, schrieb es sich wohl: bacán!

Wer Chévere, oder sogar Superchévere jubelt, ist wahrscheinlich entweder ein Venezolaner oder Kolumbianer. Wenn wir ihm dann aber immer coolere Dinge zeigen, hören wir vielleicht zur Abwechslung auch ein „bacano!“, und damit ist der Kolumbianer aufgeflogen. Viva (en) Colombia!

Die US-Affinität wird bei dessen Kumpel aus Venezuela deutlich, wenn dieser mit „que heavy!“ frohlockt.

Stell dir vor, du lernst auf einer Feier jemanden kennen, dem du vom tollen Konzert der kubanischen HipHop-Gruppe Orishas erzählst, und dieser erwidert dir: Das ist ja total Vater!

Tja, so ergeht es dir, wenn du keinen Dunst hast, wie cool Mexikaner offenbar ihre Väter finden. Que padre! Ja, dieses Konzert war echt sehr sehr Vater!

Klanglich noch abgefahrener wird es in Nicaragua. Nicht unbedingt ein Schlagzeilen-Garant in unserer Tagespresse, aber sicherlich mal eine Reise wert. Wenn dir dort etwas Cooles passiert, schrei doch einfach „Diacachimba!“ und lass es dir dann von den Einheimischen übersetzen.

Ganz im Süd-Osten des Kontinents fährt man offensichtlich voll auf einen Präfix ab. So wird bei den Gauchos in Argentinien gerne ein „re-„ als Vorsilbe für das anstehende Adjektiv positioniert. re copado, re bueno oder sogar re buenissimo! Ich würde sagen: Re-torisch re-lativ re-dundant aber irgendwie re-volutionär. Kein Wunder, stammt schließlich Ober-Revoluzzer Ché Guevara aus Argentinien! Wieso heißt der eigentlich nicht Re Guevara?

Ohne alle Varianten nun auszuführen – es genügt ein Blick auf meine extra hierfür gebastelte Grafik: Wo immer wir uns auch auf der spanisch-sprachigen Landkarte aufhalten, überall lässt sich eine ganz eigene Version des Wortes „Cool“ entdecken, und beweist aufs Neue, dass Spanisch eben nicht gleich Spanisch ist…