Haferbrei mit Fußballgott

Haferbrei mit Fußballgott

Ein kurioser Tag in Restrospektive:

Da saß ich also mal wieder, bei einem leckeren Quinoa-Dinkelpenne-Salat mit Schafskäse in meinem Münchener Lieblingscafé. Ein ungezwungenes Ambiente vor den großen Fensterwänden, die dem Sonnenlicht gestatten den Raum für sich in Anspruch zu nehmen. Sehr nett von denen, finde ich. Dort lässt es sich bei gesundheitsbewusstem, kulinarischen Angebot einfach wunderbar lesen, lernen, arbeiten, vor allem auf meinem Stammplatz im unauffälligeren Eck des Lokals –  findet auch Matts Hummels, der sich plötzlich ebenfalls mit Laptop neben mich setzt. Naja, er sieht zumindest so aus.

„Hatschi!“

„Gesundheit“, wünsche ich ihm.

„Dankeschön!“

Scheiße, das ist er wirklich! Mein Lieblingscafé wird mir immer lieber. Diese nette Überraschung lässt ein Grinsen durch mein Inneres herumstolzieren, ohne dass es ein Ziel haben müsste. Dem puren Dasein Genüge getan. Es scheint meinen Puls zu motivieren, der plötzlich ansteigt wie der Alkoholpegel nach ge-extem Jägermeister. Aber warum nur, frage ich mich!? Weshalb zieht die reelle Begegnung mit einer prominenten Persönlichkeit einen Anflug von Beschwingtheit, leichter Nervosität und derartiger Besonderheit mit sich?

Und zwar auch bei MIR, obwohl ich ja selbst bereits mit bekannteren Namen und Gesichtern des öffentlichen Lebens zusammenarbeitete oder gar auf der Bühne stand. OK – es handelte sich nicht unbedingt um A-Promis,  fanden aber dennoch ihren Platz zwischen B und Z im Alphabet der Prominenz.

Es ist noch nicht einmal meine persönliche Premiere neben einem weltbekannten Fußballer Kaffee zu schlürfen und Plaudereien zu verfallen. Mit Jens Lehmann führte ich einst eine äußerst amüsante Unterhaltung über den Allerwertesten der Frauen – den Po meiner Café-Begleitung miteingeschlossen, die dieses unorthodoxe Thema überhaupt erst verursacht hatte.

Auch David Alaba hatte ich schon als Sitzbank-Nachbarn. Der war damals als 18jähriger allerdings noch nicht ganz so kommunikativ.

Und jedesmal schwappt eine kleine Welle Adrenalin durch die Gewässer des Körpers und verändert den Moment auf beispiellose Weise. So auch jetzt mit Matts. Aber warum um Hummel’s Willen ist das so? Vielleicht der erleichternden und motivierenden Erkenntnis geschuldet, dass diese Stars auch nur aus Fleisch und Blut sind und sogar Schnupfen kriegen können?

„Hatschi“ – Erneut der Griff zum Tempo-Zellstoff, um die Nase zu säubern. Einer der weltbesten Abwehrspieler hat offenbar Schwächen in seinem eigenen Abwehrsystem. An ungesunder Ernährung kann es kaum liegen, denn jetzt bekommt er sein Haferporridge mit Bananen und frischen Waldfrüchten. Das ist in der Regel MEIN favorisiertes Frühstück, aber schmeckt mittags genauso gut – findet auch der Matts. Wieder muss ich grinsen.

Ich bin niemand, der dann ein Foto machen muss, nach der so bescheuerten und scheinheiligen Frage: „Entschuldigung, bist du nicht der ….“?

Am wenigsten verstehe ich Autogrammbitten, auch wenn beides als schöne Erinnerung dienlich sein mag, aber in meinen Augen rechtfertigt es nicht die persönliche Belästigung. Mir genügt es völlig, mit diesen Herrschaften ganz natürlich und ungezwungen dasitzen und vielleicht ein wenig zu plaudern, falls es sich ergibt. Abseits vom Thema Fußball versteht sich. Abseits – hihihi. OK, ok…

Ich pikste wieder eine kalte, sesam-dressierte Dinkelnudel auf meine Gabel, und als ich das nächste Mal hinaufblicke, steht Manuel Neuer vor meinem Tisch.

„Hey“

„Hallo“

Jetzt moment mal‚, schießt es mir durch den Kopf, ‚das geht mir alles zu schnell. Der auch noch? Echt jetzt? Naja, macht Sinn, Matts Hummels muss seine Abwehr stärken.‘  Mein innerliches Grinsen hat nun weitere grinsende Freunde eingeladen, und ich bin in Partylaune. Manchmal ist die Realität fast zu fantastisch um wahr zu sein.

Besser konnte es nur noch mit einem veganen Apfel-Streußel-Kuchen werden. Und den holte ich mir auch, mit Manuel Neuer’s Support. Er meinte nämlich, ich hätte noch genug Platz unter meinem Hemd – da geht noch einiges!

Und während ich an der Theke bestellte, verabschiedete sich die Matz namens Matts erst beim Geschäftsführer und dann tatsächlich auch bei mir.

„Servus“

„Servus!“

Sehr sympathisch, der Kerl. Nicht weniger der Manu, der sich nun allein dort neben mir als gut aufgelegter Small-Talk-Partner entpuppte. Schade, dass er seine Torwarthandschuhe nicht anhatte – wäre bestimmt witzig gewesen zu sehen, wie er damit seinen kleinen Espresso trinkt.

Auf meine mathematische Kurvendiskussion, mit der ich mich eigentlich vor Ort auseinandersetzen wollte, konnte ich mich freilich nicht mehr konzentrieren. Manchmal muss man aber auch fünf gerade sein und sich spontan auf berühmte Tischnachbarn einlassen. Resultat: Mein Lieblingscafé bleibt Lieblingscafé und ich selbst weiterhin FC Bayern Fan.