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Stottern wir in Fremdsprachen stärker? Warum in Englisch, Spanisch & Co auch ein Vorteil liegt!

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Die Sprechstörung Stottern findet sich nun leider in allen Sprachen wieder. Nicht selten verstärkt sich sogar die Symptomatik, sobald wir eine (neue) Fremdsprache lernen. Das liegt fast immer am stärker werdenden Leistungsdruck. Auch weil wir mehr über die „richtigen“ Wörter nachdenken müssen, wirkt sich dies negativ auf unseren Redefluss und das Sprechvermögen aus.

Je mehr Sicherheit wir in der neuen Grammatik und den Vokabeln gewinnen, desto leichter kommen die Wörter eventuell wieder über die Lippen eines stotternden Menschen. Der Druck um die eigenen Ansprüche, Erwartungen und Potenziale zu erfüllen, limitiert uns aber oft trotzdem noch in unserem Ausdrucksvermögen.

Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Sowohl in Englisch als auch in Spanisch hatte ich anfangs das große Problem, um mindestens 500% mehr zu stottern als in Deutsch. Das Erlernen einer neuen Sprache hat meinen Sprechfluss drastisch reduziert. Manchmal bekam ich die Wörter überhaupt gar nicht heraus.

Dabei bin ich ein echtes Sprachtalent! Englisch beherrschte ich in der Schule irgendwann bereits besser als meine eigenen Lehrer, und Spanisch brachte ich mir innerhalb von zwei Jahren autodidaktisch bei. Ich liebte Sprache und wusste genau, wie der Satz in der jeweiligen Sprache heißt. Heraus kam aber kein Satz, sondern ein Pandämonium an getrennten Silben und Buchstaben, die klangen, als hätte ein DJ sie entweder gescratcht oder ihre Tonspur ausgeschaltet.

Aber warum stottern viele in einer Fremdsprache wieder mehr?

Es bedurfte in meinem Fall nicht zwingend mehr sprachlicher Kenntnisse, sondern mehr Selbstvertrauen und Gelassenheit! Weniger Anspruch! Denn wer als fremdsprachlich begabt gilt (zumindest im schriftlichen), der fühlt sich gezwungen, dies immer wieder unter Beweis zu stellen, wie „perfekt“ er doch diese Sprache beherrsche.

Daran erkennen wir schön den Zusammenhang zwischen Stottern und hohem Eigenanspruch, das Vergleichen mit der Außenwelt und der „Norm“, und vielleicht sogar dem Perfektionismus. Dabei könnten wir alles so viel besser, wenn wir lockerer mit all den Anforderungen und Stressoren aus der Umwelt umgehen könnten.

Folglich ist das Erlernen und Üben von Fremdsprachen in den meisten Fällen erstmal keine Erleichterung, und auch kein sinnvoller Fluchtversuch. Aber: Es kann ein wunderbarer Weg sein, uns selbst den hausgemachten Druck bewusst zu machen und damit umgehen zu lernen. In der Fachsprache heißt das Desensibilisierung.

Denn Stottern kannst du in jeder Sprache überwinden, sodass es dir nicht länger eine Mauer ist, die dich von deinem Lebensglück und dem Ausleben deines wahren Ichs abhält!

Welche Chance liegt im Stottern? Was können wir daraus machen?

Darüber hinaus ist die Stottersymptomatik auch eine Chance in seiner eigenen Persönlichkeit zu wachsen! Wie wir im Folgenden gleich sehen werden, versteckt sich im Stottern sogar sprachübergreifend jeweils ein schönes Geschenk für dich!

In Englisch heißt es „to have a stutter / a stammer“. (Oft wird stuttering auch mit dem Begriff stammering gleichgesetzt). Interessanterweise versteckt sich im Wort stutter das Verb „utter“, was so viel bedeutet wie „äußern“ bzw.  „aussprechen“. Im englischen Wort für Stottern, was ja ein „sich NICHT flüssig ausdrücken können“ impliziert, ist demnach das positive Gegenstück bereits enthalten.

Im Spanischen heißt Stottern übersetzt „tartamudear“.  Hier verbirgt sich sogar eine Torte (tarta)! Da läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen.

Und was versteckt sich da im Deutschen? Ein Otter. Lediglich ein Otter.

Na toll! Während sich Engländer, Spanier, Nord- und Lateinamerikaner bei einer leckeren Torte ausdrücken können, dürfen wir Deutschsprachige uns über einen Wassermarder freuen!?

Aber hey! Auch ein Otter hat seine Qualitäten! Schließlich ist er ein geschmeidiger Schwimmer, und das bedeutet im Wasser schließlich FLOW! Ein äußerst vielseitiges Tier, ob an trockenem Land oder im kalten Wasser ­– er rockt die Welt mit bis zu 29 km/h! Außerdem hat er ein dickes Fell, das ihn von Meinung anderer unberührt lässt! Er ist so wie er ist, und kritisiert sich nicht dafür. Davon kann sich jeder stotternde Homo Sapiens Sapiens definitiv eine Scheibe abschneiden. (Selbst die Veganer!)

Die Moral von dieser seltsamen Geschichte: In allen Sprachen liegt irgendwo im Stottern ein kleiner Schatz verborgen, ein positiver Teil, der von dir entdeckt und entfaltet werden will! Sei es auch nur eine wichtige Lehre, die dich in deinem Leben ganzheitlich voranbringt.

Und falls du dich fragst, wie es sich in anderen großen Sprachen verhält, wie etwa auf französisch: das Tunwort heißt „bégayer“.  Und „gay“ bedeutet wortwörtlich „fröhlich/heiter!“ 😉

Auch chinesisch hat etwas Tolles für stotternde Menschen zu bieten:  口吃

Sehe ich da etwa einen modernen Flachbildfernseher mit neuesten HDMI-Kabeln? Na wenn das keine Aussichten sind, das Stottern positiv zu sehen!

In meiner Powergruppe auf facebook (Introvertierte Power – selbstbewusst & ausdrucksstark) warten viele solcher Geschichten und vor allem viele liebevolle Menschen auf dich, die einen ähnlichen Weg anstreben wie du. Dieser Weg, wie steinig er auch manchmal sein mag, darf mit Humor und Leichtigkeit gegangen werden. Ich als dein Coach begleite dich gerne, damit du es endlich in deine Ausdrucksstärke schaffst!

See you soon, hasta luego, bis bald

Mehrsprachiger Gruß mit Hut

Markus 🙂