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Was du jetzt sofort gegen Stottern tun kannst – 3 Tipps zur Starthilfe

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Stell dir vor, du steckst im Stau fest. Nichts geht mehr, außer das Radio. Vielleicht läuft dann auch gerade der Sender „NurDummesGelaber-FM“ auf der 0815er Frequenz, und dein Frohsinn liegt als Geisel hinten in deinem Kofferraum. Natürlich gefesselt und mit Klebeband mundtot gemacht.

Das Hupen der anderen Autos holt dich kurzfristig aus deinen Negativgedanken. Du kannst Stau nicht leiden, und nun setzt das ein, was du sogar noch mehr hasst: Stop and Go. Herumruckeln. Kurz anfahren und wieder bremsen müssen.

Du hasst es, denn es bringt dich um deinen Rhythmus und um dein gutes Fahrwasser. Für dich gibt es fast nichts Schöneres, als wenn es läuft wie geschmiert. Geschmeidig wie Öl. Aber du steckst fest in einem Stop-and-Go-Stau! Mit nem scheiß Radioprogramm!

Erkennst du meine Analogie zum Stottern? Wobei du das düstere Bild im Rahmen deiner Stottersymptomatik wohl eher so malen würdest, dass du auf einer großen Autobahn bei normalem, flüssigem Verkehr einer der ganz wenigen Autofahrer bist, die auf dem rechten Fahrstreifen mit gefühlten 20 km/h vor sich hinruckeln. Während alle anderen dich mit 120 rechts liegen lassen.

Ich verstehe dich gut. Du willst endlich losdüsen! Aufs Gas treten und dein Potenzial endlich ausfahren dürfen! Sooo viele PS hast du unter deiner Haube, aber alle anderen in deinem Verkehr denken, du hast nix drauf! Und so richtig kommst du auch einfach nicht in die Gänge.

Vielleicht schimpfst du dich sogar selbst, weil du vorher deinen Wagen nicht hast reparieren können, keine Werkstatt dir bisher bei deinem technischen Problem helfen konnte. Die Schuld und das Hadern lässt du auf dich zurückfallen á la „wieder vergeigt“!

Also was tun?

Ob du nun dein eigener Ministau auf der freien Autobahn bist, oder du tatsächlich mit anderen einen Stoßstangen-Tango auf dem Asphalt tanzt: Was tun, gegen den Stotter-Stau, damit du ihn irgendwann aus dem Rückspiegel betrachten und darüber lachen kannst?

Starthilfe #1: Nicht dagegen sein!

Wenn du versuchst, etwas gegen Stottern zu tun, ist deine Aufmerksamkeit immer bei deinem Problem, das du ja gar nicht haben willst.  Selbst wenn du gerade gar kein Gespräch führst.  Allein die Präventivmaßnahme bzw. der Präventivgedanke, wie du bei der anstehenden Situation das Stottern möglichst vermeiden kannst, erweist sich als kontraproduktiv.

Warum?

Du machst dir ganz subtilen Stress, indem du dir selbst ein Negativszenario erschaffst. Unser Zentrales Nervensystem mag keine negativen Szenarien. Am allerwenigsten ein Horrorszenario. Dann wehrt es sich mit übermäßigem Ausstoß von Adrenalin, Noradrenalin und gewissen Hormonen, die dich und dein Zwerchfell noch viel mehr außer Takt bringen. Aber zu diesem Raudi namens Zwerchfell komme ich noch!

Außerdem folgt die Energie stets der Aufmerksamkeit und erzeugt mehr von dem, was du als Begriff und Assoziation in deinem Kopf hast. In diesem Fall: Stottern vermeiden = Gedanke an Stottern = übliche Stressreaktion. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

In unserer Analogie gesprochen: Statt besorgt nach Routen ohne Staus zu suchen, wie wäre es, einfach dem Navigationssystem zu vertrauen, und ganz nonchalant die schönste Route zu nehmen und zu genießen?

Lange Rede, langanhaltender Sinn:

Statt GEGEN Stau zu sein, darfst du FÜR freie Fahrt werden! Liebe und genieße den Flow, auch wenn du ihn im Moment noch nicht hast! Je öfter du an Stau denkst und ihn verfluchst, desto öfter wird er dir vom Verkehrsgott geschenkt! Der mag nämlich weder Flucherei noch Pessimismus. Der mag affirmative, gutgläubige Menschen, die seine Straßen wertschätzen. Dann schenkt er ihnen auch freie Bahn!

Starthilfe 2: Zeit nehmen und Zwerchfell kennenlernen!

Wenn du stotterst, und vielleicht sogar schon eine Therapie bei Logopäden oder Sprechtherapeuten gemacht hast, wird dir das Zwerchfell bereits ein Begriff sein. Es ist eines deiner größten und wichtigsten Muskeln in deinem Körper und übernimmt eine hauptverantwortliche Rolle bei der Atmung.

Wenn du im Stress (Stau) bist, macht das Diaphragma (Zwerchfell) das Gleiche wie jeder andere Muskel auch: Es spannt sich arrhythmisch an. Auch Angst ist eine Form von Stress. Je höher die Angst und der Stress, desto verkrampfter die Muskulatur. Somit verkrampft sich auch das Zwerchfell und gerät außer Rhythmus und Fluss.

Viele Menschen nutzen das Zwerchfell aber nur sehr gering, um Luft zu schnappen. Je weniger die tiefe Zwerchfellmuskulatur eingesetzt wird, desto mehr läuft es tatsächlich auf eine Schnappatmung hinaus – im Extremfall. Ein Großteil bedient sich durch den Tag hindurch an der Brustatmung. Eine flache Atmung, die hauptsächlich über die Muskeln zwischen den Rippen geschieht, auf Fachchinesich auch Interkostalmuskulatur genannt.

Warum es sich prinzipiell um ein doppeltes Zwerchfell handelt, und es eine dreifache Möglichkeit der Atmung nach sich zieht, erfährst du in diesem anderen Artikel von mir.

Das Zwerchfell darf sich entspannen, wenn du deine Sprache fließen lassen möchtest. Für diesen Redefluss ist es entscheidend, dass deine Atmung einen positiven, natürlichen Flow hat. Es gibt Übungen, die auf erstaunliche Art und Weise zeigen, wie viel Sprachrhythmus durch konstanten Luftstrom gewonnen werden kann.

Deine Nerven und Muskeln mögen also eines gar nicht: Zeitdruck. Zeitdruck ist Stress. Bäh. Igitt. Pfui.

Diesen Druck machst du dir jedoch selbst und steigerst ihn sogar, wann immer du das Gefühl hast, jetzt sofort innerhalb von Millisekunden sprechen oder antworten zu müssen.

Stell dir vor, du rufst bei diesem blöden Radiosender an (im Auto natürlich per Freisprechanlage ;)), um denen mal zu erzählen, wie blöd sie eigentlich sind. Und dass ihre Musik so überspielt ist wie Profi-Fußballer nach einer Saison mit anschließender Weltmeisterschaft.

OK, vielleicht bist du auch ein sehr netter, wohlgesonnener Mensch und willst dort nur anrufen, um vorbildlich den Stau zu melden, in dem du gerade steckst. Damit andere ihn rechtzeitig umfahren können! Sehr philantropisch! Ich geb dir einen aus!

Aus welchem Grund auch immer wählst du die Nummer, der Freiton ertönt, es nimmt eine bassige Stimme ab und übergibt dir die Sprecherbühne.

Na? Wie hoch ist dein Stressniveau jetzt? Wieviel Druck machst du dir in diesem Augenblick, um möglichst schnell dein Anliegen auszuprechen?

Wahrscheinlich hast du nach einer Sekunde schon das Gefühl, dass der andere gleich wieder auflegen könnte, wenn du nicht JETZT SOFORT GLEICH DIREKT ENDLICH etwas sagst.

Weißt du was? Pfeif drauf!

(Auch nur sinnbildlich genommen, bitte!)

Gesteh dir doch einfach mal etwas mehr Zeit und Ruhe zu! Gönn sie dir! Mach dir vorher mit einem tiefen Einatmen und Ausatmen bewusst: Ich bin der Redner, ich gebe das Tempo vor. Ich nehme mir die paar Sekunden, um dann mit einem stabilen Zwerchfell und konstantem Airflow die Worte einfach auszuatmen. Ganz gechillt. Wie in Jamaica.

Sich Zeit nehmen heißt auch Vertrauen. Im Stau bringt es dir rein gar nichts, wild loszuhupen, in Panik zu verfallen und jeden und alles (einschließlich dir selbst) bis aufs Knochenmark zu verfluchen!

Lehn dich erstmal zurück, und überlege dir, welche Chance dir diese Situation bietet. Ist es nicht eine neue Chance, um dir eine neue innerliche Ruhe zu beweisen? Ein neues Vertrauen? In dich selbst? In die Welt!? In deine Atmung und Sprache!?

Und wenn der Telefonheini des Radiosenders dich nicht erwarten kann, oder sogar auflegt als wäre er selbst der DJ…. so what? Dann rufst du halt bei einem anderen Sender an; gibt ja genug Frequenzen und dies war nicht die richtige Schwingung für dich!

Lass dir die Ungeduld anderer Leute nicht aufhalsen! Du bleibst bei dir! Lass die Leute Leute sein. Sie werden dann immer mehr dich Dich sein lassen, mit viel mehr Wohlwollen als du glauben magst!

Starthilfe #3: Selbstwert polieren!

Gönn dir doch mal was und fahr in die nächste Waschanlage! Mach es sauber von all dem negativen Schmutz und Dreck, mit dem du es über die Jahre beladen hast!

Auf deinem Selbstwert-Dach liegt bestimmt schon Staub! Oder gar Patina. Und man sieht Kratzerspuren. Ungut.

Stottern hat viel mit Selbstwert zu tun. Sehr viel. Dein Selbstwertgefühl hat sicherlich viel gelitten, und leidet auch heute noch. Jedesmal, wenn du deine eigenen Erwartungen nicht erfüllen und gerecht werden konntest, setzt du deiner Selbstliebe einen Dämpfer. Du brichst deiner Seele ein bisschen das Herz!

Dabei will es doch nur bedingungslos geliebt werden! Unabhängig von deinem Sprechverhalten. Das spiegelt nicht deinen Wesenskern. Es spiegelt lediglich dein Selbstbild, das du dir seit Kindesalter weiter gezeichnet und ausgemalt hast. Meistens in mehr schwarz als weiß.

Du darfst jetzt die schönsten Farben nehmen, und dieses Bild anders weitermalen!

Du darfst dein Auto umlackieren! Du darfst neue frische Farben draufklatschen. Die Beulen ausbeulen und die Kratzer ausmerzen. Nach einer gründlichen Politur glänzt er doch wieder in einem ganz anderen Licht. Vielleicht erstrahlt es noch nicht in Selbstliebe, aber ein Selbstmögen wäre doch ein Anfang? Oder zumindest Selbstakzeptanz?

Denn wenn du dich selbst magst und mit dir gütig umgehst, ebnest du einen Weg aus dem Stau. Gerade wenn du wieder gestottert hast und dich nicht so ausdrücken konntest, wie du wolltest. Gerade dann ist es wichtig, dich selbst zu umarmen und zu sagen:

Hey, ich bin trotzdem wertvoll und hab einiges auf dem Kasten, und ich fahre jetzt los in Richtung Redeflow. Vielleicht dauert es eine Weile, bis ich an jedem Ort in mir ankomme, wo flüssiger Verkehr Normalität ist. Aber dafür nehme ich mir die Zeit und weiß, dass alles gut wird. Mit mir selbst zu hadern, mich zu beschimpfen, wirfst mich jedesmal zurück in eine Sackgasse, also fahre ich in Güte und Vertrauen einfach vorwärts. In meinem eigenen Tempo. Ich freue mich auf die Ankunft im Paradies!

Sieh es als dein Startpunkt, um aus dem Stau heraus in eine neue Landschaft zu kommen. Natürlich ist das nur der Anfang: Vor dir liegt eine kurvige aber wunderschöne Route, auf der du dich ganz neu entdecken wirst. Zweierlei wird dir eine große Hilfe sein, an dein Ziel zu gelangen: Erstens: Das vertrauensvolle Navigationssystem. Zweitens: Jemand, der dir beibringt, dieses System zu bedienen! Ich wäre mir eine Ehre, diesen Job zu übernehmen!

Gute Fahrt!

Dein behütete Sonntagsfahrer Markus 🙂